Kyusho

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Kyosho - Kanji

Mit Kyusho (oder Kyushojutsu, Atemi-Te) bezeichnet man die negative Stimulation gegnerischer Vitalpunkte in den okinawanischen Kampfkünsten.

Dianxue (chinesisch, oder auch in dessen Dialekt: Dim Mak, Dim Muk, Dim Hsueh, Dim Shao, Dim Shing oder Dim Su) ist eine sehr alte chinesische Kriegskunst.
Die zwei Silben Dian und Xue bedeuten eigentlich nur so viel wie: Berühren und Punkt.
Aus dem alten Dianxue in China, entstand das moderne Kyusho in Japan.
Im Gegensatz zu dem weit verbreiteten Glauben Dianxue wurde gelehrt, um zu töten, war genau das Gegenteil der Fall.
In China war es das intensive Studium der medizinischen Kunst in Verbindung mit der Kriegskunst, um zu heilen, nicht um zu töten!

Die beiden Silben Kyu und Sho heißen auf japanisch wörtlich übersetzt etwa „Erste Sekunde“

Der Sinn dabei ist, Taktiken und Techniken anzuwenden, die eine Konfrontation in der „ersten Sekunde“ beendet!
Um dieses zu erreichen, werden Druckpunkte, die über verschiedene Stellen (Meridiane) des Körpers verlaufen, gedrückt, gerieben, oder geschlagen.

Stimulation der Vitalpunkte

Grundsätzlich ist eine Nervendruckstelle ein Punkt, an dem die Energie an einen Nerv, oder an ein Bündel von Nerven weitergeleitet werden kann. Es ist ein Punkt, an dem es eine kleine Zentrale von zwei oder mehr zusammenlaufenden Nerven bzw. größere Nervenwege gibt, oder ein Punkt, an dem sich größere Nervenbahnen vereinigen.
Das bedeutet, wenn solch ein Punkt getroffen wird, so wird der Schmerz auf seinem Weg durch die Nervenbahn extrem verstärkt.

Am Arm gibt es beispielsweise eine Druckstelle, die Schmerz auf allen drei größeren Nervenwegen des Armes direkt ins Gehirn sendet, und zwar über den Radialnerv, Medial,- und Ulnarnerv. Kyusho benötigt keine komplizierten Techniken und deutlich weniger Kraftaufwand, und ist somit ideal für Kinder, Frauen und Senioren geeignet.

Das Geheimnis: Kyusho leitet die Signale über unterschiedliche Nervenbahnen direkt zum Gehirn eines Gegners, um ihn dadurch kampfunfähig zu machen.

Die im Kyusho benutzten Druckstellen sind die Gleichen, die in der klassischen traditionellen chinesischen Medizin, z.B. in der Akupunktur benutzt werden. Akupunktur und Akupressur betrachten Druckstellen als sogenannte „Tore“, an dem der Durchfluss von lebenswichtiger Energie (Chi oder Ki) manipuliert werden kann. Der Akupunkteur mit seinen Nadeln, benutzt diese Tore, um den Durchfluss von Energie zu vergrößern oder zu vermindern. Damit kann er die gesunde Balance innerhalb des Körpers wieder herzustellen. Kyusho benutzt die gleichen Tore, um den Durchfluss von Energie zu unterbrechen, und damit einen Gegner zu besiegen.

Gründer entwickelten tödliche Methoden

Da Kyusho ursprünglich dazu gedacht war, sich gegen bewaffnete Angreifer zu verteidigen, waren die Gründer gezwungen Methoden zu entwickeln, die tödlich waren.
Modernes Kyusho hat dieses Potenzial zwar auch, ist jedoch darauf ausgelegt, sich zu verteidigen und nicht zu töten; deshalb werden Verfahren benutzt, um Gegner mit einem Pressen, Reiben, oder aber einem Schlag, schnell angriffsunfähig zu machen.

Zeuge der Tradition - der Shaolin-Tempel

Authentische historische Unterlagen dieser Kunst sind selten und meist lückenhaft. Einer der frühesten Fragmente, die von dieser alten Tradition zeugen, ist der Shaolin-Tempel, tief im Songshan Gebirge, dreizehn Kilometer nordwestlich von heutigem Dengfeng, in der Provinz Henan, in Zentralchina. Alte offizielle chinesische Dokumente belegen die Geschichte, die zeigt, dass 495 n. C., der Nördliche Wei Kaiser Xiaowen verfügte, das Gebäude dieses Tempels für den indischen Buddhisten Bhadra, der nach China gekommen war, um seine Religion auszubreiten, zur Verfügung zu stellen. 527 nach Christus, kam auch ein anderer indischer Buddhist, Bodhidharma, zu diesem Tempel, um zu predigen.

Als seine Jünger lange Stunden in Meditation verbrachten, brauchten sie Übungen, um ihre Muskeln zu strecken und zu stärken. Außerdem gab es wilde Tiere und Banditen in den umliegenden Bergen. Die Mönche hatten so das „Bedürfnis“ kriegerische Fähigkeiten zur Selbstverteidigung zu entwickeln.
Bodhidharma entwarf eine Folge von achtzehn Körperbewegungen nach den Bewegungen eines springenden Tigers, eines kletterndem Affen, eines fliegenden Vogels, eine kriechende Schlange usw.

Zwei klassische Kriegskünste entstanden daraus: Xisui (soviel wie: das Mark heraus waschen) und Yijin (etwa: Änderung der Sehnen). „Xisui“ ist im Altertum verloren gegangen.
Yijin wurde im Shaolin-Tempel ausgeübt, über Jahrhunderte etabliert, und verfeinert, bevor es sich schließlich zu dem entwickelte, was es jetzt als Shaolin-Schule für kriegerische Künste (Kung Fu) ist.
Die Techniken des Kyusho entstanden vom fabelhaften Kriegskünstler Zhang Sanfeng, einem taoistischem Priester vom nordöstlichen China.

Ein Buch der Ming-Dynastie belegt die Existenz von Zhang Sanfeng; es beweist, dass zwei Ming-Kaiser, Taizu (1368-1398) und Chengzu (1403-1424), sich beide vergeblich bemühten, Zhang Sanfeng in den Bergen ausfindig zu machen.

Die 72 Druckpunkte von Zhang Sanfeng

Zhang Sanfeng entdeckte später 72 Druckpunkte, die im Dianxue dazu verwendet wurden, einen Körper zu verwunden oder zu töten.
Nach Jahrhunderten kontinuierlicher Verfeinerung, der Kriegskunst und der Heilkunst geschah im Jahr 1553, der Einmarsch japanischer Invasoren nach China, zu dessen Verteidigung die Shaolin Mönche eingesetzt wurden. Die Japaner nahmen diese schon damals alte chinesische Kriegskunst mit nach Hause und entwickelten daraus ihre modernen Formen von Karate, Kendo, Kyudo, AikidoJudo etc.

Auf Okinawa nun wurde Kyusho Jahrhunderte lang im Geheimen weitergegeben. Kyusho-Jitsu, Tuite-Jitsu und Kiai-Jitsu sind die Künste hinter Ryukyu Kempo Tode Jitsu (die Kampfkunst aus der später Karate entstand).

Kyusho-Jitsu ist ein Teil jener Kampfkunst, welcher von George Dillman der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht wurde. Sie ist auf Angriffe zu vitalen Punkten des Körpers ausgerichtet. Das Studium beginnt mit dem Lernen der Grundlagen der Traditionellen Chinesischen Medizin und den vitalen Körperpunkten mit dem Ziel die Kampfkunst-Techniken effektiver zu machen. Man lernt in welcher Richtung, Reihenfolge und in welcher Intensität die Punkte angegriffen werden müssen. Die Druckpunkte werden manipuliert um den Körper des Angreifers zu schwächen. Anstatt Kraft in den Techniken zu gebrauchen, nutzt man die Kenntnisse über den menschlichen Körper um einen Gegner zu kontrollieren oder zu überwältigen.

Ein wichtiges Element des Kyusho-Jitsu ist das Studium der Reaktion des Körpers auf diese Punkte. Dieses Wissen wurde in den Bewegungen der Kata notiert und über Generationen erhalten.
Einige denken, dass, wenn sie heute eine Kata ausführen, wie man es im Jahre 1900 tat, eher das wahre Kempo von Okinawa praktizieren. Doch dies ist nicht richtig. Die Essenz des Kempo der Inseln Ryukyu siedelt sich nicht in der technischen Ausführung von einigen Katas oder ihren Bewegungen an.
Man sollte jedoch dabei etwas bedenken.

Es gibt wichtige technische Unterscheidungen und diese sind in der Anwendung einer Kata zu machen.
Im Verständnis für die Bewegungen und des damit verbundenen Bunkai ist dies zu finden. Dieses tiefe Verständnis des Kempo und die Kenntnis über die Benutzung der Vitalpunkte nennt man Kyusho.

Die Kata und Kyusho-Jitsu kennen keine Abwehr oder Blocks im Sinne von Gedan barai oder Age uke. Alle Kampftechniken werden als Angriffe auf Druckpunkte gesehen. In der Anwendung der Kata werden die Lokalisierung der Punkte und die Wechselbeziehung untereinander untersucht. Einige der Bewegungen der Kata stellen das Vorgehen des Gegners dar. Andere wiederum zeigen präzis, die auf dem Körper des Angreifers anzugreifenden effektivsten Punkte.

(unter Verwendung der Quelle: www.kyusho-jitsu.de)