Dojo-Kun

Dojokun im Wandel der Zeiten

Dojokun in China

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Dojo kun
(Kanji-Zeichen)

In allen traditionellen (Kampf-)Künsten des Weges (Do) gibt es eine Dojokun. Meister Sakugawa schuf auf Okinawa die erste Karate-Dojokun. Diese weist viele Gemeinsamkaeiten des japanischen Budo auf. Den eigentlichen Ursprung hat sie jedoch in den Anfängen der Kampfkunst, im alten Shaolin-Kloster.

Man nimmt an, dass die erste Dojokun (WuDe-Kampfkunsttugenden) vom indischen Mönch (Bodhidharma) aus dem Shaolin-Kloster stammt.
Bodhidharmas WuDe basierte auf den Tugenden Disziplin, Bescheidenheit sowie Achtung vor dem Leben. Später wurde dann durch Jue YuanShaolin-Mönch,
im 14. Jh.
die bis dahin bestehenden 72 Kampfverfahren des Shaolin auf 170 Bewegungen erweitert.

Weiterhin schuf er mit Hilfe von Li Cheng und Bai Yu-Feng die Shaolin-Tierstile (Wuqinxi). Man hatte wohl damals bereits erkannt, dass man dem gefährlichen Quanfan (Kung-Fu) eine zügelnde Kraft hinzufügen musste.
Herbeigeführt von Bodhidharmas WuDe formte Jue Yuan zehn Regeln für die Shaolin-Schüler. Diese Regeln gelten als die erste überlieferte Dojo-Kun, die rückblickend das gesamte philosophische Spektrum der Kampfkünste prägen sollte.

Die zehn Regeln des Jue Yuan:
  • Wer den Weg des Quanfa geht, muß mit Eifer und Ausdauer an sich arbeiten und darf keine Ablenkung durch andere Dinge zulassen
  • Die Anwendung des Quanfa dient nur der Selbstverteidigung
  • Der Schüler muss sich dem Lehrer gegenüber ehrerbietig und bescheiden erweisen und ihm stets Hochachtung entgegenbringen
  • Der Schüler muss seinen Kameraden gegenüber höflich, ehrlich und wohlwollend sein
  • Übenden des Quanfa ist es verboten, in der Öffentlichkeit ihre Kunst zu demonstrieren
  • Quanfa-Schüler beginnen nie eine Schlägerei
  • Quanfa-Schüler trinken keinen Wein, essen kein Fleisch und enthalten sich des Geschlechtsverkehrs
  • Das Quanfa darf nur an Menschen weitergegeben werden, die reinen Herzens sind und aufrichtige Dankbarkeit zeigen
  • Wer Quanfa studiert, muß Bosheit, Gier, Neid und Prahlerei überwinden

In den späteren Schulen des Quanfa wurden die Regeln auf die jeweilgen Besonderheiten der Stile abgestimmt

Prinzipien einer Quanfa-Schule:

  • Bemühe dich um einen Ausgleich deines Äußeren: Haltung, Kleidung, Auftreten und sprachliche Umgangsformen sollen übereinstimmen
  • Bewahre Stattlichkeit in der Haltung und in der Sprache, begegne anderen mit Selbstvertrauen, Natürlichkeit und ständigem Wohlwollen
  • Kontrolliere dich und lasse Veränderungen der eigenen Laune nicht durch Gestik, Mimik oder Haltung erkennen, erlange gleichmäßige und angenehme Umgangsformen
  • Bewahre Munterkeit und positive Laune, zeige keine Anzeichen von Müdigkeit
  • Erhalte Disziplin und Selbstdisziplin in allen Lagen

Auf Grund dieser chinesischen Leitbilder erschuf Sakugawa Shungo im 18. Jahrhundert auf Okinawa nun seine 5 Dojo-Regeln, die sinngemäß den meisten okinawanischen und japanischen Dojo innewohnten.

Was dem Christen seine Bibel, oder dem Buddhisten seine Sutra kurzer, in Versform
verfasster Lehrtext des
indischen Schriftentums
darstellt, offenbart in den Kampfkünsten die Dojokun.

Die untenstehenden fünf Regeln von Meister Sakugawa formten den Geist des gesamten Karate:

1. Strebe nach Vervollkommnung deines Charakters

Hitotsu. Jinkaku Kansei ni Tsutomuro. Koto.

Diese Regel bezieht sich auf das innere Verhältnis des Menschen zu sich selbst.
Der Schüler soll seinen inneren Problemen mit derselben Kraft begegnen, wie er es im körperlichen Training lernt, äußere Schwierigkeiten zu überwinden. Er soll lernen, Tendenzen zur Überheblichkeit, Egoismus, Selbstüberschätzung, Selbstmitleid und vor allem unkontrollierte Gefühle zu beherrschen.

2. Bewahre den Weg der Aufrichtigkeit

Hitotsu. Makoto no Michi wo Mamoru. Koto.

Diese Regel bezieht sich auf die Haltung des Übenden gegenüber dem Leben und auf die Bereitschaft, das richtige Verhältnis zwischen sich selbst und seinem Gegenüber zu erkennen.

3. Entfalte den Geist der Bemühung

Hitotsu. Doryoku no Seishin o Yashinau. Koto.

In dieser Regel bezieht man sich auf die Verwirklichung des Menschen in seinem persönlichen Lebenszielen. Das Vertrauen in sich selbst erlaubt dem Übenden einen gewissen Abstand zu unkontrollierten Handlungen.

4. Sei höflich!

Hitotsu. Reigi o Omonzuru. Koto.

Diese Regel bezieht sich auf die richtigen Formen der Etikette, die jeder Übende beachten muss und die ihr mit der Zeit lernen werdet. Ohne Etikette wird Aufrichtigkeit zur Grobheit, Mut zur Auflehnung, Demut zur Unterwürfigkeit, Respekt zur Kriecherei und Vorsicht zur Furchtsamkeit.

5. Bewahre dich vor übertriebener Leidenschaft

Hitotsu. Kekki no Yu wo Imashimuru. Koto.

Diese Regel mahnt zum Verzicht auf körperliche Gewalt und bezeichnet gleichzeitig alle Formen der Gewaltanwendung als menschenunwürdig. Ein Fortgeschrittener kann anderen ernsthafte Verletzungen zufügen und ist dann, wenn er seine Fähigkeiten als Machtmittel gegenüber anderen Menschen einsetzt, ein unwürdiges Mitglied des Dojo.